Schlagwort-Archiv: Windkraft

Starnberger Merkur vom 21./22.09.2024

Zitat aus der Online-Ausgabe des Starnberger Merkur vom 20.09.2024:

Die Bürgerwind GmbH steigt aus dem Projekt der Gautinger Windkraftanlagen aus. Grund ist der negative Bescheid der Deutschen Flugsicherung und die mangelnde Kooperationsbereitschaft des Sonderflughafens Oberpfaffenhofen.

Im Klartext: Die geplanten Windkraftanlagen in Gauting und Krailling werden nicht gebaut.

Link auf die Online-Ausgabe des Merkur:

„Schlag für die Energiewende“: Pläne für Windkraftanlagen in Gauting eingestellt (merkur.de)

Printausgabe des Merkur vom 21./22.09.2024:

Starnberger Merkur 2024 09 21
„Aus für Gautinger Windkraft“. Bericht im Starnberger Merkur vom 21./22.09.2024. ©Merkur

Kurzkommentar der Bürgerinitiative:

Natürlich ist das kein „Schlag für die Energiewende“ sondern vielmehr ein Sieg der Vernunft über die blindgläubige Umsetzung eines dysfunktionalen Plans. Denn weder Versorgungssicherheit mit Strom noch die von Kommunalpolitikern vielbeschworene energetische Autarkie wären mit den Gautinger Windkraftanlagen möglich gewesen. Zudem wäre der Strom unterm Strich immer teurer geworden.

Freuen darf sich der Steuerzahler: Für die Gautinger Windräder wären mutmaßlich Subventionen von 350.000 bis 520.000 € pro Jahr angefallen – für jedes einzelne. In Summe wären somit für die geplanten 10 WKA über eine Betriebszeit von 20 Jahren 70 bis 100 Millionen Euro an Steuersubventionen aufgelaufen, ohne dass die Gautinger deswegen auf eine sichere Stromversorgung oder moderate Preise hätten bauen können.

Das ist ein guter Tag für die kritische Vernunft und damit letztlich auch ein guter Tag für eine vernünftig zu Ende gedachte Energiewendefür die Wende in der Energiewende.

Übrigens: Die BUEG hat bereits im Februar 2024 die offenkundigen Probleme mit der Flugsicherheit erkannt und sich an das Luftamt Südbayern gewandt. Anfang Juni hat die BUEG dazu eine Pressemitteilung herausgegeben (s. Gautinger Windkraftanlagen: Gemeinde verschweigt wesentliche Risiken der Flugsicherheit) und die Öffentlichkeit darüber informiert. In der Antwort darauf seitens der Gemeinde und des Projektbetreibers Sing (s. Neue Attacke der Windkraftgegner auf Gemeinde Gauting) wurde dies als Panikmache abgetan und abgewiegelt. – Die Entwicklung zeigt, dass wir mit unserer Einschätzung richtig lagen.


Querverweise:

Grafik Bürgerinitiative begrüßt Aus für Gautinger Windkraftpläne

Grafik Luftverkehr behandelt wie heilige Kuh
(Leserbrief zum Aus für die Gautinger Windkraftpläne)

Grafik Gautinger Windkraftanlagen: Gemeinde verschweigt wesentliche Risiken der Flugsicherheit

Grafik Neue Attacke der Windkraftgegner auf Gemeinde Gauting

Bürgerinitiative reicht Klage beim Bayerischen Verwaltungsgericht München ein

Pressemitteilung der Bürgerinitiative Umwelt-Energie-Gauting (BUEG)

Die Bürgerinitiative Umwelt-Energie-Gauting hat Klage eingereicht gegen die aus ihrer Sicht rechtswidrige Ablehnung des Bürgerbegehrens „Keine Windkraftanlagen auf dem Gebiet der Gemeinde Gauting“.  In nur drei Wochen hatten weit mehr als 2.200 Gautinger Bürgerinnen und Bürger das Bürgerbegehren unterschrieben. Dieses hatte der Gautinger Gemeinderat dann am 11. Juni 2024 nach kontroverser Diskussion mit 21 zu 7 Stimmen für unzulässig erklärt.

Aus Sicht der BUEG ist diese Entscheidung rechtswidrig. Die entscheidenden Voraussetzungen für die Zulässigkeit – Konkretheit, Bestimmtheit, Form und Quorum – sind erfüllt. Die erforderlichen Unterschriften wurden korrekt gesammelt, dokumentiert und der Gemeinde übergeben. Das notwendige Quorum wurde dabei um fast das Doppelte übererfüllt. Die Fragestellung ist verständlich und auf einen Gegenstand fokussiert, der in der Verfügungsgewalt der Gemeinde liegt. Rechtswidrige Handlungen sind explizit ausgenommen. Auch die Regierung von Oberbayern hatte zuvor bereits die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens festgestellt. Deshalb ist die Ablehnung durch die Gemeinde nicht nachvollziehbar, die ihre juristische Einschätzung einer privaten Anwaltskanzlei in Auftrag gegeben hatte.

In der Begründung zu ihrer Entscheidung warf die Gemeinde der Bürgerinitiative vor, wesentliche Verträge und Verpflichtungen, die die Gemeinde bereits nicht-öffentlich abgeschlossen hätte, nicht in der Fragestellung und der Begründung des Bürgerbegehrens berücksichtigt zu haben. Diese Vereinbarungen mit der Firma Sing hatte die Gemeinde aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit getroffen. Auch auf mehrfache mündliche und schriftliche Nachfragen war die Gemeinde nicht bereit, der Bürgerinitiative vor Start und Einreichung des Bürgerbegehrens Einsicht in den Inhalt dieser Verträge zu ermöglichen. Die Gemeinde hatte somit der Bürgerinitiative und damit auch den Bürgern wesentliche Informationen vorenthalten. Dadurch wurde eine zeitgerechte demokratische Einbeziehung der Bürger in diese Planungen verhindert. „Angesichts solcher gravierenden Eingriffe in unsere Umwelt, haben wir nun Klage beim Bayerischen Verwaltungsgericht München erhoben, um die Gautinger Bürgerinnen und Bürger an der Entscheidung demokratisch zu beteiligen und per Bürgerentscheid nach ihrer Meinung zu fragen. Wir sind zuversichtlich, dass das Verwaltungsgericht unsere rechtliche Einschätzung sowie die der Regierung von Oberbayern bestätigen wird und es zum Bürgerentscheid kommt.“, teilt die BUEG mit.

Die Bürgerinitiative weist auch die immer wieder von der Gemeinde vorgebrachte Behauptung zurück, durch die im Jahr 2012 ausgewiesenen Konzentrationsflächen sei der Bau dieser Windindustrieanlagen nicht mehr zu verhindern, und es ginge nur noch darum, ob das die Firma Sing mit finanzieller Bürgerbeteiligung oder ein anderer Investor machen würde. Das ist nicht zutreffend, denn nach wie vor gibt es gravierende Einwände gegen den Bau dieser Anlagen auf dem Gebiet der Gemeinde Gauting. Es sind Gründe der Flugsicherheit, des Artenschutzes und auch der Höhenbegrenzung, die derzeit weder der Firma Sing noch einem anderen Investor den Bau von 255 m hohen Windkraftanlagen auf den Konzentrationsflächen der Gemeinde Gauting erlauben.

Die Bürgerinitiative dankt noch einmal allen Unterstützern des Bürgerbegehrens und verspricht Ihnen, Ihre berechtigten Interessen weiter aktiv zu vertreten.

Pm Bueg 2024 08 01
Pressemitteilung vom 01.08.2024 zum Download

Link auf den Pressebericht zum Thema im Starnberger Merkur vom 03./04.08.2024.

Wald- und Naturschutz-Stammtisch

Am Mittwoch, 17. Juli 2024, trafen sich die Wald- und Naturschützer der Bürgerinitiative Umwelt-Energie-Gauting (BUEG) beim Sportlerwirt Pentenried zu ihrem ersten Stammtisch. Zusätzlich eingeladen waren die von der BUEG per E-Mail angeschriebenen Natur-und Waldfreunde aus dem Würmtal und Umgebung.

Schon gegen 18:30 Uhr trafen die ersten Gäste ein. Der Sportlerwirt war mit seinem Mittwoch-Schnitzeltag gut vorbereitet, die ernsten Gespräche über die Windkraftkraftprojekte im Gautinger Wald mit Speis und Trank zu „unterfüttern“.

Gegen 19:30 Uhr begann der offizielle Teil. Zunächst wurde ein Film über Windkraftprojekte im Wald gezeigt. Sehr eindrucksvoll darin die Aussagen der Fachleute über den Schutzbedarf des Waldes und die teilweise fatalen Auswirkungen der Windkraftanlagen auf das Ökosystem Wald. Auch die betroffenen Anwohner kommen im Filmbeitrag zu Wort. Anmerkung: Wer sich grundsätzlich zur Thematik informieren möchte, der sei auf das öffentlich verfügbare Video Streitfall Windenergie aus der ZDF-Mediathek verwiesen.

Danach berichtete Bernhard Fliedner von der BUEG über die Anfänge der Bürgerinitiative und zeigte in einem Folienvortrag die Meilensteine der bisherigen Aktivitäten auf. Im Folgenden ein kurzer Abriss dazu:

2021/22

  • Start der Bürgerinitiativen (Kraillinger u. Forstenrieder Windräder)

2022

  • Gründung Bürgerinitiative Umwelt–Energie–Gauting (BUEG)

2023


2024


Aktueller Stand

  • Juli: Eil-Antrag gegen die Unzulässigkeitserklärung der Gemeinde ist beim Bayerischen Verwaltungsgericht München eingereicht
  • Akteneinsicht beim Landratsamt bzgl. Flugsicherheit ist erfolgt
    6 der 7 der eingereichten Standorte sind (vorläufig) abgelehnt
    – Königswiesen: „Gutachter soll Alternativen klären“ (Sing)
    – Buchendorf: Unklar, wie umgeplant wird und wann „Bauantrag“ eingereicht wird
  • Akteneinsicht bei Gemeinde ist abgelehnt,
    schriftliche Begründung ist offen
    Fristen sind verstrichen – wir fassen jetzt nach
  • Infostände jeden Samstag vor der HypoBank
  • Plakataushänge in Geschäften
  • Regelmäßige Webseiten-Updates und Info-Newsletter per Email.

Ausblick auf künftige Stammtische und die allgemeine politische Situation

  • Präsentationen zu ausgewählten Themen:
    „Energiewende“
    „Wirtschaftlichkeit“
  • Politische Unsicherheit bezüglich Förderung der Erneuerbaren Energien

In der anschließenden lebhaften Diskussion ging es vor allem um die Themen Waldschutz und Artenschutz. Den Teilnehmern war es sehr wichtig, dass wir als Bürgerinitiative die Themen weiterverfolgen und uns nicht darauf einlassen, zugunsten der kurzsichtigen finanziellen Interessen der Gemeinde und für eine gleichermaßen unzuverlässige und teure Windstromproduktion Wald und Natur zu opfern.

Es wurde beschlossen, dass künftig

  • jeden 2. Mittwoch im Monat, ab 18:30 bis ca 21:30 Uhr

ein solcher Stammtisch in Pentenried stattfinden soll. Der nächste Stammtisch ist somit für den 14. August 2024 geplant.

Starnberger Merkur vom 13./14.07.2024

Die Bürgerinitiative Umwelt-Energie-Gauting fordert eine offene Informationspolitik. Das ist die Voraussetzung für einen konstruktiven Dialog.

Sta Merkur 2024 07 13
Starnberger Merkur vom 09.07.2024. © Münchner Merkur

Querverweise:

Grafik Antwort auf den Offenen Brief von ZukunftGauting

Grafik Der Offene Brief von ZukunftGauting an die BUEG

Grafik Pressebericht über den Offenen Brief von ZukunftGauting

Antwort auf den Offenen Brief von ZukunftGauting

Wie berichtet, hat uns ZukunftGauting einen Offenen Brief geschickt und uns aufgefordert, das Bürgerbegehren nicht weiter zu verfolgen (s. Querverweise unten). Darauf haben wir mit diesem Schreiben geantwortet:

Sehr geehrter Herr Albath, sehr geehrter Herr Proksch, sehr geehrter Herr Körner,

der Inhalt Ihres Offenen Briefes hat uns überrascht. Von einem Verein, der selbst einmal als Bürgerinitiative gestartet ist, hätten wir zuletzt den Ratschlag erwartet, wir sollten die Vertretung demokratischer Bürgerinteressen aufgeben, um der Polarisierung zwischen Befürwortern und Kritikern der Windkraftprojekte entgegenzuwirken und die vorgeblich „aufgeheizte“ Stimmung in Gauting zu befrieden.

Die von Ihnen als ZukunftGauting beobachtete Polarisierung in der Debatte geht mitnichten auf unsere Aktivitäten zurück, die sich zu 100 % im Rahmen eines rechtstaatlichen Vorgehens bewegen. Wir weisen daher jegliche Verantwortung für die Überschuss­reaktionen Einzelner mit dem gebotenen Nachdruck zurück.

Wir haben in der Sache die besseren Argumente auf unserer Seite und pflegen einen Stil des kritisch-rationalen Dialogs. Persönliche Drohungen gegen Windkraftbefürworter oder Sachbeschädigungen lehnen wir strikt ab!

Unterschiedliche Meinungen gehören zur Demokratie wie das Salz zur Suppe. Es ist nachgerade ein Kennzeichen der Demokratie, trotz bestehender Meinungsverschieden­heiten im Diskurs zu konsensfähigen Lösungen zu finden. Dazu gehört im Minimum, dass man sich gegenseitig zuhört und alle Seiten am Meinungsbildungsprozess beteiligt. Besonders dann, wenn Entscheidungen von großer Tragweite anstehen, ist es angebracht, die Bürger frühzeitig in die Planungen mit einzubeziehen. Genau das ist in Gauting nicht geschehen. Angesichts dessen wundert uns Ihr Ansinnen ganz besonders, wir sollten die Sache auf sich beruhen lassen und sozusagen die Abläufe in der Gemeinde­verwaltung nicht weiter “erschweren“.

Der Kerngedanke unseres von der Gemeinde für nicht zulässig erklärten Bürgerbegehrens ist die Beteiligung der Bürger. Punkt. Das gesetzlich vorgesehene Instrument des Bürgerentscheids zielt genau daraufhin ab: demokratische Teilhabe der Bürger am Entscheidungsprozess.

Wir können nicht vorhersagen, ob die Gautinger Bürgerschaft die unserer Ansicht nach in fast jeder Beziehung ungeeigneten Planungen zur Errichtung von Windkraftanlagen in Gauting ablehnen oder unterstützen wird. Anmerkung: Ungeeignet aus vielerlei Gründen, u.a. Schwachwind, keine Versorgungssicherheit, hohe Strompreise, fehlende Speicher, Unwirtschaftlichkeit, hohe Subventionen, Natureingriffe, Landschaftsbild, Flugsicherheit und andere immissions- und genehmigungsrechtliche Bedenken.

Wir wissen nicht, wie sich die Bürger mehrheitlich entscheiden werden. Dennoch stellen wir uns diesem demokratischen Votum. Es ist eigentlich eine Selbstverständlich­keit, dass sich auch die Gemeinde dem Urteil der Bürger beugt und ihm jedenfalls nicht aus dem Weg zu gehen versucht.

An dieser Stelle gestatten Sie uns bitte die Anmerkung, Herr Dr. Albath, dass Sie anlässlich der betreffenden Gemeinderatsitzung für die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens und damit doch auch für die Durchführung des Bürgerentscheids votiert haben.

Es ist eine Verdrehung der Tatsachen, uns als Bürgerinitiative eine Täuschung der Unterzeichner des Bürgerbegehrens anzulasten. Zur Laufzeit der Unterschriftensammlung hatten wir – ebenso wie die Gautinger Bürger – keine Detailkenntnis über den von der Gemeinde bereits weit vorangetriebenen und hinter dem Rücken der Bürger vertraglich geregelten Prozess zur Errichtung der Windkraft­anlagen. Wir hatten das Wissen deshalb nicht, weil die Gemeinde die entsprechenden Vereinbarungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit getroffen hatte und sie auf unsere mehrfache schriftliche Anfrage hin (dreimal im Laufe von 2023 und wiederholt auch im ersten Halbjahr 2024) nicht bereit war, uns Einsicht in die Vereinbarungen zu ermöglichen. Trotz anwaltlicher Forderung nach Akteneinsicht lehnt die Gemeinde dies bis heute ab.

Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Die Gemeinde hat den Bürgern und damit auch uns als Bürgerinitiative wesentliche Informationen über ihre Planungen zur Errichtung von Windkraftanlagen vorenthalten und tut dies noch immer.

Die von Ihnen als ZukunftGauting in den Raum gestellte Täuschung geht somit auf das Konto der Gemeinde und ist eine direkte Folge dieser auch von StM a.D. Martin Zeil bereits mehrfach beklagten Geheimniskrämerei. Es ist ein Unding, dass sich die Gemeinde fortgesetzt weigert, Akteneinsicht zu gewähren, obwohl wir einen Rechtsanspruch darauf haben. Die Gemeinde Gauting behandelt die Mitbürger und auch uns als Bürgerinitiative nicht wie mündige Staatsbürger.

Es stünde ZukunftGauting als einer bürgerlichen Interessenvertretung gut zu Gesicht, uns in der demokratischen Auseinandersetzung um eine offene und bürgernahe Informations­politik seitens der Gemeinde Gauting aktiv zu unterstützen.

Den ernsthaften und konstruktiven Dialog mit der Gemeinde haben wir mehrfach angeboten und er ist immer noch möglich. Allerdings setzt dieser Diskurs unabdingbar eine offene kommunale Informationspolitik voraus. An dieser Stelle ist also die Gemeinde am Zug.

Wenn die Gemeinde Gauting nichts dafür tut, dann bleibt uns als letzte Option tatsächlich nur der Rechtsweg.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Bürgerinitiative Umwelt-Energie-Gauting


Hier der Brief zum Download:

Bueg Antwort Auf Den Offenen Brief Von Zukunftgauting S1
Antwort auf den Offenen Brief von ZukunftGauting – Zum Öffnen klicken.

Querverweise:

Grafik Pressebericht über unsere Antwort an ZukunftGauting

Grafik Der Offene Brief von ZukunftGauting an die BUEG

Grafik Pressebericht über den Offenen Brief von ZukunftGauting

Märchenstunde im Bosco Gauting

Allgemeines zur Veranstaltung

(fih) Für den 3. Juli hatte das Grünzug Netzwerk Würmtal e.V. zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung über Windkraft im Würmtal eingeladen. Ganz konkret sollte die Frage der Umsetzung das Thema sein: Wie kriegen wir das hin?

Im Einladungstext war Folgendes zu lesen:

Die Gemeinden befinden sich in unterschiedlichen Planungsstadien. Neuried hat schon das Genehmigungsverfahren eingeleitet, Gauting hat Konzentrationsflächen, Krailling und Planegg müssen noch Grundsätzliches klären, Gräfelfing hat begrenzte Möglichkeiten. Aber warum überhaupt? Wird nicht zu viel Wald vernichtet? Was ist mit Vogelschlag und Insektensterben? Was für Potenziale hat die Windkraft in unserer windschwachen Region? Welche Erfahrungen hat man in Berg und in Fuchstal gemacht? Werden sich Bürger finanziell beteiligen? Wie geht das? Was ist, wenn kein Wind weht? Solche und weitere Fragen werden von ausgewiesenen Experten angesprochen.

Grünzug Netzwerk 2024 07 03

Als Experten waren angekündigt:

  • DR. BRIGITTE KÖSSINGER  (Bürgermeisterin Gauting) – Aktueller Verfahrensstand
  • ROBERT SING (Ingenieurbüro Sing) – Windkraft in Gauting, finanzielle Bürgerbeteiligung
  • RUPERT STEIGENBERGER (Bürgermeister Berg) – Erfahrungen in Berg, finanzielle Bürgerbeteiligung
  • PROF. MICHAEL STERNER (OTH Regensburg) – Windkraft: Notwendigkeit, Potenziale, Speicher
  • SIMON TANGERDING (Schutzgemeinschaft Deutscher Wald) – Waldfunktionen erhalten, Windkraft im Wald als Teil der Lösung

Einleitung

Man konnte gespannt sein, was denn alles an neuen Informationen geboten werde, wie es sich denn mit den Windrädern im Wald verhalte, was man denn tut, wenn kein Wind weht, und eben, wie man das alles hinkriegt.

Die Veranstaltung begann pünktlich um 19 Uhr. Der Saal war zu etwa 70 % gefüllt.

Grünzug Netzwerk 2024 07 03 3

Zu Beginn setzte sich einer der Referenten an das extra zu diesem Zwecke auf das Podium gestellte Klavier und spielte einige Takte zur musikalischen Einstimmung. Das war zu diesem Zeitpunkt noch unverfänglich, später zeigte sich jedoch, dass dies Teil eines übergreifenden Plans war. Offenbar sollte mit dieser Einlage, und auch mit dem später in der Pause präsentierten Musikstücken, das Auditorium emotional auf die danach verkündeten Botschaften eingestimmt werden. Beim Pianisten handelte es sich um den als Hauptredner angekündigten Prof. Sterner.

Zunächst wurden die Referenten kurz vorgestellt. Gleich im Anschluss gab dann Dr. Herbert Stepp vom Grünzug Netzwerk eine Einführung in den Abend.

Vorwort des Vorsitzenden des Grünzug Netzwerks

Dr. Stepp präsentierte das Grünzug Netzwerk als Umweltschutzverein und zeigt einige Folien zum Vergleich des Einflusses zwischen dem Kiesabbau im Wald und dem Aufstellen von Windrädern im Wald. Das war schon befremdlich genug, weil Windräder nun einmal nichts mit Kiesabbau zu tun haben. Äpfel und Birnen sind einander ähnlicher. Seine Grundthese war, man müsse die Windräder (im Wald) bauen, weil Windräder ja CO2-freien Strom liefern und das diene dem Klimaschutz: ohne Klimaschutz ist aller Naturschutz wertlos. Das ist schon eine bemerkenswert unterkomplexe Aussage, wird darin doch unterstellt, Windräder im Würmtal könnten überhaupt einen messbaren Beitrag zum Schutz des globalen Klimas und speziell unserer Wälder leisten (s. dazu Windkraft und CO2).

Neben dem Bevölkerungswachstum sind die globale Erwärmung und das Artensterben die großen Probleme unserer Zeit. Alle drei bedrohen Ökosysteme und Artenvielfalt. Die globale Erwärmung beeinflusst Meere, Moore und Wälder. Aber der Schutz dieser Ökosysteme ist auch Teil der Lösung. Gesunde und vielfältige Ökosysteme spielen eine entscheidende Rolle im Kampf gegen die Auswirkungen des Klimawandels. Sie dienen als Kohlenstoffsenken, indem sie CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen und langfristig speichern. Wälder, Moore und Meere sind Beispiele dafür. Natürlicher Klimaschutz setzt auf die natürlichen Funktionen von Ökosystemen, um Umweltauswirkungen zu mildern. Dazu gehört neben der Speicherung von Kohlenstoff auch die Pufferung von Extremwetterereignissen. Naturschutz ist Klimaschutz!

Letztlich kommt dies auch den Menschen zugute: Klima- und Naturschutz dienen nicht nur der Umwelt, sondern auch dem Schutz unserer Lebensgrundlagen. Intakte Naturräume sind unsere Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel.

Im Weiteren konnte es sich Dr. Stepp nicht verkneifen, auf unsere sehr erfolgreiche Bosco-Veranstaltung vom April mit dem Hauptredner Prof. Vahrenholt zurückzuverweisen und zu versuchen, die dort getroffenen Aussagen in Zweifel zu ziehen. Konkret nahm er den Aspekt Mikroplastikabrieb ins Visier. Ohne auf die chemischen Eigenschaften des Abriebs von den Rotorflügeln und die Tatsache, dass dieser im Wald emittiert wird auch nur mit einer Silbe einzugehen, verglich er die Mengenexposition mit dem Abrieb von Schuhsohlen und Autoreifen. Das rhetorische Konzept dahinter nennt man Whataboutism: Weil man kein Argument in der Sache hat, lenkt man die Aufmerksamkeit einfach auf einen anderen Gegenstand. So wie in diesem Beispiel: Fritz kommt mit einer 4 in Mathe nach Hause. Nach Fritz‘ Meinung kein Problem: Max hat sogar eine 6.

Die gute Resonanz auf den Vortrag von Prof. Vahrenholt war ihm offenbar grundsätzlich ein Dorn im Auge. Er nannte einen Faktencheck zum Vortrag von Vahrenholt und empfahl, dort die Aussagen zu überprüfen. Wenn man das tut – und Dr. Stepp hat das doch wohl im Vorfeld getan – dann findet man nichts von Substanz, was die von Vahrenholt getroffenen Aussagen widerlegen könnte. Bei Lichte betrachtet handelt es sich mitnichten um einen Faktencheck, sondern um einen Meinungscheck.

Vortrag der Gautinger Bürgermeisterin

Nach der Einleitung fasste die Bürgermeisterin, Dr. Brigitte Kössinger, den aktuellen Stand zu den Windkraftplanungen in Gauting zusammen. Auf einen kurzen Nenner gebracht bekannte sie dabei freimütig, dass das weitere Geschehen nicht in den Händen der Gemeinde liegt, weil die Planungen dazu bereits vor einem Jahr auf dem Wege einer Optionsvereinbarung an den Projektierer Sing übertragen worden sind.

Die Gemeinde Gauting hat also, ohne die Bürger dazu zu befragen oder im Vorfeld davon in Kenntnis zu setzen, die durchaus sehr weitreichende Entscheidung zum Bau von bis zu 10 Windkraftanlagen in Gauting an einen Unternehmer delegiert. Dieses Bekenntnis ist eigentlich ein politischer Skandal. Und es zeigt, wie wichtig die Arbeit der Bürgerinitiative und das Bürgerbegehren in dieser Sache sind. Auch wenn die Bürgermeisterin dazu lapidar meint: „Selbst wenn die Gemeinde in dieser Angelegenheit nichts mehr unternimmt, kann die Errichtung von Windkraftanlagen nicht verhindert werden“.

Die Ausführungen des Windkraft-Projektierers

Robert Sing war der nächste Redner. Er zeigte einmal mehr die bekannten Folien zu den geplanten Standorten der Gautinger Windräder und erläuterte das Bürgerbeteiligungsmodell. Dazu die üblichen Beruhigungspillen zum Stromertrag und dem dank der Subventionen gewährleisteten Wirtschaftlichkeit, der minimalen Beeinträchtigung des Waldes und den auch sonst nicht vorhandenen Risiken für nichts und niemand.

Wie Sing u. a. ausführte, wurde die Vorbescheidsanfrage für sechs der sieben angefragten Windkraftanagen bei Königswiesen und Buchendorf wegen Bedenken betreffend der Flugsicherheit vorläufig negativ beschieden. Das sei aber nichts Ungewöhnliches und komme in der frühen Planungsphase häufig vor. Er sei daher sehr optimistisch, dass es sich dabei nicht um das letzte Wort handele.

Erfahrungsbericht aus Berg

Nach Sing kam der Berger Bürgermeister Rupert Steigenberger ans Rednerpult und berichtete über die Erfahrungen in Berg mit seinen 4 Windrädern. Er sei vom Saulus zum Paulus geworden. Man könnte auch sagen, vom 3. Bürgermeister zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Berger Bürgerwind GmbH. Kommunale Windkraft schafft Posten und Pöstchen, das ist sicherlich auch ein nicht zu unterschätzender Anreiz.

Steigenberger zeigte Folien zum Stromertrag seit 2015 und zu den jährlichen prozentualen Ausschüttungen. Obwohl die Zahlen mit Jahresrenditen zwischen 4 und 30 % auf den ersten Blick gut aussehen, war die durchschnittliche Rendite in Berg „nur“ 6,8%. Für eine 20 Jahre laufend Kapitalanlage ist das nicht überwältigend. Dabei hat der Windpark enorm von den Kriegsgewinnen im Jahr 2022 profitiert. Die Ausschüttung sprang in diesem Jahr von durchschnittlichen Werten um 6 % auf 30 %. Ohne die hohen Kriegsgewinne in 2022 würde die Durchschnittsrendite bei 5,6% liegen.

Wer in der gleichen Zeit sein Geld in Aktien oder ETF investiert hat, konnte ein Mehrfaches davon erzielen und war jederzeit frei darin, sein Engagement zu beenden oder teilweise zu versilbern.

Unter anderen lernte man im Vortrag von Steigenberger auch, dass die Investitionskosten für die WKA noch einmal deutlich höher waren als die üblicherweise kolportierten Werte von 1 – 1,5 Mio. € pro Megawatt Nennleistung. Für die 4 Berger Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von 12 Megawatt mussten insgesamt 21,6 Mio. € aufgewendet werden. Das sind somit 1,8 Mio. € pro Megawatt.

In Summe kann man festhalten, dass der Berger Windpark für den Betreiber und die Investoren ein Erfolgsmodell ist, auch wenn die Renditen eher mager ausfallen. Nichtsdestotrotz handelt es sich im Hinblick auf das Ziel der Energiewende um eine Mogelpackung.

Zwar produzieren die 4 Windräder übers Jahr in etwa so viel Strom, wie die Gemeinde insgesamt benötigt. Dennoch muss Berg die Hälfte des in der Gemeinde benötigten Stroms von extern beziehen, weil die Windräder den Strom eben nach Wetterlage erzeugen und nicht dann, wenn er tatsächlich gebraucht wird.

Das ist das bekannte Grundproblem der Windstromproduktion. Mal wird viel mehr Strom produziert als benötigt, oft ist es aber genau umgekehrt: Der Bedarf ist hoch, aber es weht zu wenig Wind. Tatsächlich ist die Versorgungssicherheit mit Windstrom (inkl. Anteilen von Berger Solarstrom) an über 200 bis 240 Tagen des Jahres nicht gewährleistet. Ohne externe Zulieferung würden viele Haushalte von Strommangel betroffen sein. Das geht hin bis zu Totalausfall.

Und wenn man die Energiewende ernst nimmt und tatsächlich Versorgungssicherheit anstrebt, dann benötigt man zusätzlich zu den Berger Windrädern große Batteriespeicher, Power-to-Gas-Kraftwerke und Gasspeicher oder Backupkraftwerke. Im Falle von Batteriespeichern würde sich der Preis für den Berger Windstrom im Minimum um 50 ct/kWh erhöhen. Im Ergebnis wäre die Betreibergesellschaft unter den Bedingungen einer Windstromproduktion mit Batteriespeichern und ohne die heute noch auf Seiten der Energieversorger im Hintergrund arbeitenden Grundlastkraftwerke längst insolvent. Der Berger Windstrom wäre unverkäuflich.

Rupert Steigenberger hat das gewiss nur vergessen zu erwähnen. Oder er wollte keinen Schatten auf sein Berger Erfolgsmodell fallen lassen.

Wie wir das Klima retten

Der Hauptredner, Prof. Michael Sterner, betrat gegen 20:00 Uhr die Bühne. Man erwartete – trotz der musikalischen Einlage zu Beginn – dass nun wissenschaftlicher Sachverstand präsentiert werde. Um es vorwegzunehmen: Diese Erwartung wurde enttäuscht. Prof. Sterner entpuppte sich als Wanderprediger in Sachen „Klimaschutz“, der nicht gewillt oder nicht in der Lage war, irgendetwas Substanzielles zu den technischen, ökonomischen und ökologischen Herausforderungen und Lösungen zu sagen.

Für einen „Wissenschaftler“ bemerkenswert, dass er sich in seinem Vortrag als jemand präsentiert, der in der Tradition eines Franz von Assisi steht. Er fühlt sich verpflichtet, für seine Musik, die Kunst, die Wissenschaft und seine Thesen einzutreten und begreift sich und die ihm Gleichgesinnten gewissermaßen als Instrumente Gottes: „Wir sind seine Hände, seine Ohren und Augen und wir sollten das tun, was in unserer Macht steht, damit die Welt für alle menschlich und erlebbar wird, die Natur und die ganze Schöpfung“.

Damit hat er einen weiten Bogen geschlagen und der Veranstaltung einen fast schon religiösen Charakter zugewiesen. Das Folgende war in der Tat kein wissenschaftlicher oder technischer Vortrag, sondern eher eine Predigt. Darin hat der Professor-Pfarrer „offenbart“, dass die Politik und die geistliche Macht miteinander verknüpft seien. Beide zusammen sind beauftragt, für die “Rettung der Welt“ vor der „menschengemachten Klimakatastrophe“ zu sorgen. Das ist die himmlische Mission! Und dafür braucht es einen strategischen Plan zur Errichtung von Windkraftanlagen.

Man ist konsterniert, wie der „Regensburger Pfarrer und selbsterklärte Gesandte des Himmels“ angesichts dieser Positionierung bei den Scientists for Future engagiert sein kann. Es wirft jedenfalls kein gutes Licht auf Letztere, wenn solche Leute in ihrem Namen sprechen.

Der Professor-Pfarrer hat ein Buch geschrieben mit dem bezeichnenden Titel „So retten wir das Klima“. Er sorgt sich auch darum, dass dieses Buch in die Schulen kommt und meint, dass jeder Schüler wissen sollte, wie wir das Klima retten können. Für diese Forderung gab es viel Beifall von dem zu diesem Zeitpunkt bereits emotional mitgenommenem Publikum.

Und wie kriegen wir das im Würmtal hin?

Mit der Rettung Bayerns und der Welt durch Windkraft und weiteren hochemotionalen Botschaften, die Prof. Sterner indessen als Fakten versteht, geht es weiter über eine halbe Stunde. Die Zeit war schon weit fortgeschritten und immer noch wartete man auf Substanzielles und die Beantwortung der Frage „Wie kriegen wir das hin?“. Konkreter: Wie schaffen wir es, Windkraft im Würmtal zu etablieren, obwohl hier wenig Wind weht? Und wie können wir das Problem der schwankenden und mitunter ganz ausbleibenden Windstromproduktion lösen?

Mit Speichern natürlich, dafür ist Professor Sterner schließlich Experte, deswegen wurde er eingeladen. Sagt er dazu auch noch etwas? Tatsächlich, dazu äußert er sich ebenfalls. Ganz zum Schluss seines Vortrags spendiert er dafür einige dürre Worte: Kein Problem! Alles schon technisch gelöst. – Kein Wort zur Komplexität und zum Wirkungsgrad des technischen Prozesses. Kein Wort zu den Investitionskosten. Kein Wort zu den Auswirkungen auf den Strompreis. – Na ja, Luftschlösser tragen nie ein Preisschild.

Prinzipiell ist das alles technisch gelöst, da hat Prof. Sterner sicherlich Recht. Prinzipiell können wir auch zum Mond fliegen. Prinzipiell werden wir innerhalb der nächsten 20 Jahren auch den Weg zum Mars nehmen und dort landen. Aber heißt das auch, dass es dafür eine wirtschaftliche Lösung gibt? Natürlich nicht. Die Lücke zwischen „prinzipiell machbar“ und wirtschaftlich umsetzbar kann riesengroß sein. Und im Falle der Speichertechnologie ist genau das der Knackpunkt.

Theoretisch ist vieles machbar, es gibt aber leider diesen Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Und wenn es um eine sichere Stromversorgung geht, nützt es nicht viel, wenn man zwar theoretisch billige Batterien und funktionierende Power-to-Gas-Lösungen haben könnte, sie aber tatsächlich nicht hat. Dabei ist das Problem der knappen Ressourcen noch nicht einmal berücksichtigt.

Nach diesem Vortrag kann man nur resümieren: Prof. Sterner ist ein Märchenerzähler, ein Traumtänzer, ein Utopist. Und wie er sich gibt, vielleicht einfach nur ein Verkünder der künftigen paradiesischen Zustände: Wir müssen die Welt retten und das ist jedes Opfer wert.

Der Weg ins Paradies ist für ihn gepflastert mit guten Vorsätzen. Das Wohl der Menschen im Diesseits ist für ihn keine relevante Kategorie. Versorgungssicherheit, bezahlbarer Strom und eine prosperierende Wirtschaft, das sind ihm bloß die weltlichen Wünsche der Ungläubigen, die sich dem großen Ziel der Errettung entgegenstellen.

Als Kontrastprogramm nun noch einige Fakten jenseits der Sternerschen Predigt.

Speicherfakten

Zunächst zu den Batteriespeichern. Das verschiedentlich genannte Kostenniveau von 1000 €/kWh Speicherkapazität ist der Betrag, den man für Haus-Batteriespeicher heute typischerweise aufwenden muss. Natürlich können die Kosten durch Skalierungseffekte langfristig sinken, vielleicht sogar auf 100 €/kWh. Aktuell sind sie aber noch deutlich höher, wie man der folgenden Aufstellung über deutsche Großspeicherprojekte entnehmen kann:

Ort / ProjektSpeichergröße
in MWh
Speicherkosten
Euro/kWh
Investiton
Mio. Euro
Feldheim 510005
Steag 12080096
Schwäbisch Hall1,46000,84
Jardelund 5060030
Kupferzell 250750188
Tabelle 1: Auswahl zu atuellen Batteriespeicherprojekten in Deutschland

Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen den Herstellungskosten der Zellen und den Industrieverkaufspreisen der konfektionierten Speicher (inkl. Gehäuse, Software, Steuerungselektronik, Sicherheitsroutinen, …) mit einer 20-jährigen Lebensdauer. Die o.g. genannten 100 €/kWh sind für zyklenfeste Speicher wohl eher theoretisch mögliche Zellenpreise. Selbst dieser sehr optimistische Speicher-Zielpreis würde den fairen Strompreis für die Berger Windräder auf über 50 ct/kWh erhöhen. Da helfen noch nicht einmal die staatlichen Subventionen.

Wird EE-Gas (also z.B. Methan aus Windstrom) als Stromspeicher eingesetzt, beträgt der Wirkungsgrad von Strom zu Strom zwischen 30 % und 40 %. Sofern EE-Gas in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen rückverstromt wird, sind Gesamtwirkungsgrade bis zu 62 % erreichbar. Auf der Stromebene bleibt es aber bei etwa 35 %.

Synthetisches Methan kostet heute etwa 20 bis 30 Cent pro Kilowattstunde. Die Kosten können laut Agora Energiewende bis 2050 auf ca. 10 Cent je Kilowattstunde sinken, sofern die global installierte Power-to-Gas-Kapazität auf 100 Gigawatt steigt. Aktuell (2022) werden in Deutschland insgesamt 54 Power-to-Gas-Projekte gezählt. Davon waren 23 Anlagen noch in Planung. Einige Projekte wurden bereits wieder eingestellt. Die Gesamterzeugungskapazität liegt bei 50 Megawatt, also 0,05 Gigawatt. – Der Weg nach Utopia scheint noch weit.

Obwohl der Prozess Power-to Gas mit Gasspeicherung und Rückverstromung grundsätzlich günstiger ist als die Speicherung in Batteriespeicher, erhöht sich auch dadurch der Strompreis erheblich. Zudem ist der Prozess technisch komplexer und störungsanfälliger.

Der Waldvortrag von Simon Tangerding

Simon Tangerding ist als Förster und Geschäftsführer der „Schutzgemeinschaft Deutscher Wald“ zweifellos vom Fach. Er redet sehr profund über den Zustand des Waldes in Deutschland, in Unterfranken und im Gebiet südlich von München. Dass es mit dem Wald nicht zum Besten bestellt ist, kann man nach seinem Vortrag kaum in Zweifel ziehen. Er sieht den Wald vor allem vom Klimawandel bedroht und bläst damit ins gleiche Horn, wie Prof. Sterner und Dr. Stepp vom Grünzug Netzwerk. Bis dahin mag man ihm noch folgen. Allerdings zieht er aus diesem Befund den zwar zum Tenor des Abends passenden aber keineswegs logisch zwingenden Schluss, nun müsse man in diesem bedrohten Wald Windkraftanlagen aufstellen, weil diese ja für eine CO2-arme Energieerzeugung stehen und somit das Klima schützen.

Nun wissen wir ja, welchen Beitrag Deutschland an der globalen CO2-Emission trägt: Es sind ca. 1,8%. Eine Windkraftanlage im Wald kann – je nachdem, womit man die Stromproduktion vergleicht – 8.000 t CO2 im Jahr „einsparen“. Das entspricht 0,00002 % oder 0,2 Millionstel der weltweiten jährlichen Emissionen. Zu glauben, mit einem solchen Windrad könne man die globale Erwärmung beeinflussen, ist etwa so, als würde man es für eine praktikable Idee halten, den Pegel des Starnberger Sees durch Ausschöpfen mit einem Wassereimer signifikant zu senken.

Damit soll nicht die Verantwortung auf andere abgewälzt werden, es soll lediglich gezeigt werden, dass die Aufstellung von Windrädern im Wald keine zielführende Maßnahme ist, wenn man zugleich vorgibt, den Wald schützen zu wollen. Denn durch den Bau von Windkraftanlagen im Wald wird selbiger evident nicht geschützt, sondern zusätzlich gestresst, ohne dass man dem ausgegebenen „Klimaschutzziel“ auch nur einen Millimeter näherkommt.

Um das Argument richtig zu verstehen, muss man lediglich die beiden Effekte gegenüberstellen und sich fragen, welcher der größere ist: Sind die lokalen Beeinträchtigungen der Funktionen des Waldes durch das Aufstellen eines Windrads höher zu gewichten oder weniger bedeutsam als der von den Befürwortern unterstellte positive Einfluss auf den „Klimaschutz“? – Die Antwort sollte niemand schwerfallen. Natürlich können die unmittelbar im Wald auftretenden Schädigungen durch Abholzung, die Störung des Ökosystems und des Wasserkreislaufs niemals durch den lediglich im globalen Mittel relevanten und dabei verschwindend geringen rechnerisch positiven Effekt auf den „Schutz des Klimas“ in Höhe von 0,2 Millionstel der eingesparten CO2-Emissionen auch nur annähernd kompensiert werden.

Die Podiumsdiskussion

Nach den Vorträgen konnten die Besucher Fragen an die Referenten einreichen. Leider hat sich das Podium nicht getraut, die Fragen aus dem Publikum live zu beantworten. Die Fragen mussten auf Zettel geschrieben werden und wurden vor der Beantwortung erstmal sortiert – und natürlich ausgewählt. So hatten wirklich kritische Fragen keine Chance, das Gehör der Öffentlichkeit zu finden.

Grünzug Netzwerk 2024 07 03 2

Resümee

Summa summarum war das ein Abend nahezu völlig ohne Erkenntnisgewinn. Von den vier relevanten Veranstaltungen zum Thema Windkraft im Bosco:

war Letztere mit Abstand die schwächste.

Windkraft im Würmtal: Wie kriegen wir das hin? – Dieser Anspruch wurde ganz klar verfehlt. Kein Wort zum Wie, aber viele und dazu weitgehend fehlerhafte oder gar widersinnige und unhaltbare Thesen zum Warum.

Diesen Abend hätte man besser zu Hause verbracht.

Offener Brief von ZukunftGauting

Der Verein ZukunftGauting hat uns als Bürgerinitiative Umwelt-Energie-Gauting (BUEG) einen Offenen Brief geschrieben mit dem etwas befremdlichen Ansinnen, wir mögen doch bitte unser Bürgerbegehren bzw. den angestrebten Bürgerentscheid nicht weiterverfolgen. Zugleich ging der Brief auch an die Presse. Der Starnberger Merkur hat dazu am 09. Juli 2024 einen Artikel gebracht.

Hier der Link auf die Website von ZukunftGauting mit dem Text:

Windkraft in Gauting – droht eine Eskalation? Offener Brief an die Windkraftgegner — Zukunft Gauting (zukunft-gauting.de)

Im Folgenden der Originalbrief zum Download:

Offener Brief An Bi Umwelt Energie Gauting S1
Offener Brief von ZukunftGauting an die BUEG – Zum Öffnen klicken.

Querverweise:

Grafik Antwort auf den Offenen Brief von ZukunftGauting

Grafik Pressebericht über unsere Antwort an ZukunftGauting

Grafik Pressebericht über den Offenen Brief von ZukunftGauting

Windkraft im Landkreis Starnberg – Visualisierung

Blick westlich von Buchendorf mit der Eiche im Vordergrund
« von 13 »

In der oben dargestellten Bildergalerie werden die geplanten Windkraftanlagen bei Gauting Buchendorf visualsiert. Dabei wurden die derzeit geplanten Standorte der Neurieder WKA im Forstenrieder Park und die Gautinger Windräder südlich von Buchendorf zugrundegelegt. Die Bilder wurden mit Hilfe einer KI-Bildbearbeitung auf der Basis von Originalfotos kreiert.

Bekanntlich plant der Landkreis STA bis 2035 eine weitgehende energetische Autarkie. Wenn man diese in einer radikalen Energiewende auf Basis von Windkraft umsetzen möchte, wären dafür angesichts des Primärenergieverbrauchs von 5 TWh p.a. mindestens 400 Windräder nötig. Bei einem Mix aus Windkraft und Photovoltaik kommt man auf mindestens 100 Windräder und 20 Quadratkilometer PV-Flächen. Wasserkraft und Biomasse spielen nur eine untergeordnete Rolle. Um einen Eindruck zu vermitteln, wie der Landkreis zukünftig aussehen könnte, wurden zusätzlich Visualisierungen von fiktionalen Standorten rund um den Starnberger See in die Bildergalerie aufgenommen.

Kurze Anleitung zur Benutzung der Galerie:

Durch Betätigen der Pfeile links und rechts untenhalb des Bildes wird das jeweils nächste Bild der Visualisierungsgalerie geladen. Beim Klick auf eines der Bilder wird es vergrößert dargestellt. Auch danach kann man noch von Bild zu Bild weiter scrollen (Pfeile am linken und rechten Bildrand) oder durch Klicken auf eines der Icons in der Bildleiste darunter direkt ein Bild auswählen.

Bei vergrößerter Darstellung findet man unterhalb des Bildes ein kleines Menü:

  • Das Dreieck links von der Mitte startet eine Diashow: Die Bilder werden in kurzer Folge nacheinander dargestellt.
  • Der Button (i) „wie Information“ blendet die jeweilige Bildunterschrift ein.

Durch Klicken auf das Kreuzchen rechts oben kann man die vergrößerte Darstellung wieder schließen.