Ein grandioser Auftakt des Bürgerbegehrens

Ein grandioser Auftakt des Bürgerbegehrens gegen die geplanten Windkraftanlagen in Gauting am 24. April 2024 im Bosco!

Der Saal des Kulturhauses Bosco in Gauting war schon vor Veranstaltungsbeginn völlig überlaufen. Alle Sitzplätze waren besetzt, die Menschen standen in den Gängen, und ca. 40 saßen draußen in der Cafeteria und lauschten später geduldig den drei Vorträgen, die nach draußen übertragen wurden, aber natürlich ohne Bilder. Manche kamen nur kurz hochgestürmt, um das Bürgerbegehren zu unterschreiben, ohne Zeit für die Vorträge zu haben. Viele später Kommende (z.B. nach langer Parkplatzsuche) standen aber leider vor verschlossenen Türen, weil wegen Überfüllung keine Besucher mehr hineindurften.

Dieser Andrang übertraf die kühnsten Erwartungen der Veranstalter, die Bürgerinitiativen Umwelt-Energie-Gauting und Gegenwind Würmtal. Sie hatten alle Haushalte mit Flyern versorgt, in ganz Gauting und Krailling Plakate aufgehängt, und auch in Anzeigen dafür geworben, mit offensichtlich großem Erfolg.

War es der überaus populäre Referent, Professor Dr. Vahrenholt, oder waren es die Sorgen um die heimischen Wälder und Landschaften, die die Menschen in Scharen ins Bosco zogen? Es war wohl beides. Die Moderatorin des Abends, Anette Bäuerle, konnte zahlreiche Vertreter anderer Bürgerinitiativen begrüßen, die aus den Nachbargemeinden wie Gilching, aber auch aus Dießen oder dem Ebersberger Forst gekommen waren. Drei Organisationen waren sogar extra vom Bodensee angereist, um Professor Vahrenholt zu hören, aber auch sachliche Argumente generell gegen Windkraftanlagen in den süddeutschen Schwachwindgebieten aufzunehmen.

Als prominente Gäste konnte die Moderatorin den Staatsminister a.D. Martin Zeil und den langjährigen Kritiker einer planlosen Energiewende Professor Hans-Werner Sinn begrüßen – beides Gautinger Mitbürger, bei deren Namensnennung das Publikum begeistert klatschte. 

Von den Gemeinderatsmitgliedern waren leider nur sehr wenige der speziell auch an sie gerichteten Einladung gefolgt. Nachdem im Gemeinderat bislang nur die Befürworter einer radikalen Energiewende und die Profiteure des Windkraftausbaus angehört worden waren, sollte ihnen hier die Gelegenheit gegeben werden, sich auch mal sachlich kompetente Gegenargumente anzuhören.

Die ersten beiden Vorträge des Abends hielten zwei Mitglieder der Bürgerinitiative. Dr. Hieronymus Fischer informierte über die Technik von Windkraftanlagen und ihren geringen Energieertrag und damit ihre Ineffizienz in den süddeutschen Schwachwindgebieten. Nur hohe staatliche Subventionen, die wir alle bezahlen, machen den Betrieb für Investoren überhaupt erst interessant.

Diplom Ingenieur Bernhard Fliedner informierte anschließend über den Stand der Planungen von bislang 20 Windrädern in und um Gauting. Speziell ging er dabei auf die von der Gemeinde Gauting unterstützten 10 Anlagen auf Gemeindegebiet ein, die in Flächen liegen, die der Regionale Planungsverband bislang aus naturschutzrechtlichen und anderen Gründen explizit von seinen laufenden Planungen ausgeschlossen hat. Die Gemeinde Gauting möchte diese Planungen offenbar durch eiliges Durchziehen ihres Projektes unterlaufen.

Er warf der Gemeinde auch vor, ihre Bürger in diese für das Lebensgefühl und die Zukunft der Natur und Heimat absolut wichtigen Planungen bewusst nicht einzubeziehen. Sie hat wesentliche Beschlüsse in nicht-öffentlichen Sitzungen gefasst, begründet mit dem Recht des Profiteurs, des Planungsbüros Sing, auf Geheimhaltung der ihn betreffenden Verträge. Gleichzeitig verhöhnt sie damit das Recht aller Bürger auf Offenlegung der für sie noch viel wichtigeren Verträge, denn sie müssen später damit leben, nicht der Herr Sing. Während jeder noch so kleine Bauantrag in öffentlicher Sitzung beraten wird, ohne Rücksicht auf die Belange des Antragstellers, werden hier riesige Bauvorhaben, die alle Bürger betreffen, an der Öffentlichkeit vorbei auf den Weg gebracht.

Die Bürgerinitiative hat gegen diese nicht-öffentliche Beschlussfassung bereits vor 4 Monaten eine Rechtsaufsichtsbeschwerde beim Landratsamt eingelegt, bislang ohne Bescheid. Sie hat die Gemeinde aufgefordert, über diese für die Zukunft der Gemeinde elementaren Landschaftsbeeinträchtigungen alle Bürger in einem Ratsbegehren zu befragen, was die Gemeinde umgehend abgelehnt hat.

Daraufhin startete die Bürgerinitiative an diesem Abend ein Bürgerbegehren, um die Bürger an der Entscheidungsfindung zu beteiligen. Bis 15. Mai müssen ca. 2000 Bürger das Bürgerbegehren unterschrieben haben, jede einzelne Stimme ist wichtig.

Der Höhepunkt des Abends war dann der Vortrag des ehemaligen SPD Umweltsenators von Hamburg, des Chemikers Professor Dr. Fritz Vahrenholt, der nach seiner politischen Karriere seine Berufslaufbahn ebenfalls sehr erfolgreich in der Privatwirtschaft fortgesetzt hat, und zwar fast ausschließlich in Unternehmen der Solar- und Windenergiebranche. So hat er die erste Fabrik für Solaranlagen in Deutschland bauen lassen, und auch die erste deutsche offshore Windkraftanlage trägt seinen Namen, Fritz.

Professor Dr. Vahrenholt wusste also genau, wovon er sprach, als er in seinem Vortrag die deutsche Energiewende kritisch auf den Prüfstand stellte und fragte, ob sie sicher, umweltfreundlich und bezahlbar sei. Wie zu befürchten, musste er alle drei Aspekte einer sinnvollen Energiepolitik verneinen. Vehement sprach er sich gegen den Ausbau der Windenergie im windschwachen Süden Deutschlands aus, der völlig unwirtschaftlich sei und sich nur durch hohe Subventionen lohne. Geradezu vehement lehnte er jeden Bau dieser riesigen Industrieanlagen in Wäldern oder anderen geschützten Bereichen der Natur ab.

Alle drei Vorträge sind auf der Homepage der Bürgerinitiative nachzulesen.

Nachdem sie 2 1/2Stundenkonzentriert zugehört hatten, wurden die von dem Gehörten noch ganz euphorisierten Zuhörer in eine verdiente Pause entlassen, die sie sehr zahlreich für Gespräche und das Unterschreiben des Bürgerbegehrens nutzten. Die meisten von ihnen sind anschließend zufrieden heimgegangen, nachdem sie alles gehört hatten, was für sie wichtig war.

Die sich nach der Pause anschließende Diskussion nutzten vor allem die Befürworter des Ausbaus der Windkraftanlegen, die mit prominenten Beteiligten vertreten waren Darunter war auch der Verantwortliche des Baus der Windkraftanlagen in Berg, der Projektierer Sing, der jetzt auch den Bau der Gautinger Windkraftanlagen federführend vorantreibt.

Dabei wird er vom Gautinger Gemeinderat unterstützt, für den stellvertretend Andreas Albath das Wort ergriff, nachdem die ebenfalls eingeladene Bürgermeisterin nicht erschienen war. Albath warb um die finanzielle Beteiligung der Bürger an diesem Projekt, das so oder so nicht zu verhindern sei. Dem widersprachen die Vertreter der Bürgerinitiative. Mit ihrem Bürgerbegehren und anschließenden Bürgerentscheid wollen sie genau dies verhindern, und zwar egal durch welchen Investor. Falsch bleibt falsch, egal wer es macht.

In der insgesamt 45-minütigen Diskussion kamen die Befürworter dieses Projektes sehr ausführlich zu Wort, ganz anders als umgekehrt die Gegner bei der Vorstellung dieses Projektes durch die Gemeinde und den Projektierer Sing im November letzten Jahres, in dem nur kurze Fragen gestellt werden durften. An diesem Abend konnten die Befürworter das anwesende Publikum allerdings mit ihren Argumenten nicht überzeugen.

Die Argumente der Vortragenden gegen die Windkraftanlagen im windschwachen Bayern und Gauting klangen noch nach, und nach dem Gehörten war fast allen Zuhörern klar, dass es ein wirtschaftlicher und ökologischer Irrsinn ist, in die Wälder Süddeutschlands diese Industrieanlagen zu bauen.

Die Moderatorin hatte ihr Engagement an diesem Abend dem Andenken an Enoch zu Guttenberg gewidmet, einem echten Umwelt- und Naturschützer, der 1975 den BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz in Deutschland) mitgegründet hatte, diesen dann 2012 unter Protest verließ, weil dieser den landschaftszerstörerischen Ausbau der Windkraftanlagen unterstützt, und dem Guttenberg deshalb Käuflichkeit vorwarf. 2015 war er dann Mitgründer des VLAB (Verein für Landschaftspflege, Artenschutz und Biodiversität), in dem auch die Bürgerinitiative Mitglieder hat.

Seine Aussage unterstreicht, wofür das Bürgerbegehren durchgeführt wird:

„Verblendet und zynisch scheinen mittlerweile ausgerechnet jene, die uns vor der Klimakatastrophe…. retten wollen, und die uns stattdessen unsere letzten menschlichen, natürlichen, nicht urbanisierten Lebensräume in monströse Industriegebiete verwandeln.“

Bitte unterstützen Sie uns und unterschreiben Sie zahlreich das Bürgerbegehren. Näheres finden Sie auf unserer Homepage umwelt-energie-gauting.de. Herzlichen Dank!

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